Initiative Mor Gabriel
Pressemitteilung anlässlich des Besuches von Präsident Obama in der Türkei
Zahlreiche Migrantengemeinschaften aus der Türkei und dem Mittleren Osten in Deutschland haben sich gemeinsam mit einem Offenen Brief an Präsident Obama gewandt.
Großkundgebung für Kloster Mor Gabriel am 25. April 2009 in Köln angekündigt.
Sie übergaben am 31.03.09 einen an Präsident Obama gerichteten offenen Brief an den US Generalkonsul in Düsseldorf. Die unterzeichnenden Migrantendachverbände waren zuvor in Köln zu einer Initiative zusammengekommen, um sich mit dem von der Enteignung bedrohten Kloster Mor Gabriel zu solidarisieren. Ein erster Akt war die Übergabe des offenen Briefes an den US Generalkonsul in Düsseldorf im Vorfeld des Obama Besuches in der Türkei.
Alex Demirci: „Es ist erfreulich und ermutigend, dass verschiedene Gemeinschaften aus den Gebieten der früheren Osmanischen Reiches mit unterschiedlichen Traditionen auf Basis gemeinsamer Werte zueinander finden, um sich mit Kloster Mor Gabriel und den Christen in der Türkei zu solidarisieren.“
Die Initiative fordert von der Türkei eine kritische Auseinandersetzung mit seinen nationalen Geschichts- und
Identitätsbildern. Die Unterdrückung, Vertreibung und Massakrierung nicht türkisch-islamischer
Gemeinschaften in den letzen 9 Jahrzehnten in der Türkei, die ihren Ausgangspunkt im Genozid an den
Armeniern nahm, sollen reflektiert und aufgearbeitet werden. Die Scheinprozesse gegen das Kloster Mor Gabriel sind das letzte Glied einer Politik, die auf die Vernichtung der christlichen Identität in der Türkei gerichtet ist. Diese zum Nationalkonsens geronnene Politik ist nicht zuletzt für zahlreiche Mordanschläge an Christen, wie dem Priester Santoro, dem ermordeten armenischen Journalisten Hrant Dink und den ermordeten Mitarbeitern eines Bibelverlages in Malatya,
verantwortlich. Der proklamierte Nationalkonsens der türkischen Politik richtet sich gegen all jene, die sich nicht türkischislamisch definieren und somit aus Sicht des „Staates“ die nationale Einheit der Türkei gefährden .
Kubilay Demirkaya: „In Deutschland leben viele verschiedene Gemeinschaften aus der Türkei.
Innertürkische Verhältnisse haben daher einen unmittelbaren Einfluss auf die innerdeutschen
Entwicklungen. Gerade deshalb fordern wir eine Reflexion innertürkischer Verhältnisse in der Türkei,
um eine Vergangenheitsbewältigung der türkischen Gemeinschaft gerade auch in Deutschland zu
ermöglichen. Nur so kann der zunehmende Konfliktimport aus der Türkei nach Deutschland unterbunden werden. Auch Menschen aus der Türkei müssen lernen Verantwortung für historisches
Unrecht in der Türkei zu übernehmen. Wie das geht haben wir schließlich an deutschen Schulen
gelernt“
Die Initiative steht der Aufnahme einer Türkei in die EU, die eine derartige nationale Politik verfolgt, äußerst skeptisch gegenüber.
Madlen Vartian: „Eine Politik, die die christliche Gemeinschaften im eigenen Land verachtet, wird
nicht einem Wertekonsens beitreten können, der in der deutschen und europäischen Politik nach
dem 2. Weltkrieg gefunden worden ist und in der Intolerant gegenüber anderen keinen Platz hat.“
Die Initiative Mor Gabriel wird am 25. April 2009 in Köln einen Demonstrationszug mit anschließender
Großkundgebung organisieren. Der Zug beginnt ab 15 Uhr am Ebertplatz in Köln. Die anschließende
Großkundgebung mit Vertretern aus Politik und Kirchen beginnt um 17 Uhr am Kölner Dom/Roncalliplatz.